Mit den Augen eines Freelancers

Es gibt diese großen Dinge, für die wir Berge versetzen würden. Liebe, klar. Einen anderen Menschen über alles zu stellen, ist vollkommen verrückt. Ideen.
Solche, die sich im Kopf festgesetzt haben und einfach nicht wieder verschwinden wollen. Freiheit. Der Moment, an dem wir merken, dass wir selbst entscheiden, wo wir unsere Energie und Zeit investieren. Was ist es uns wert, dass wir mit Herz und Kopf dabei sind? 

Klaus Kinski zieht im Film „Fitzcarraldo“ als wahnhafter Kolonialschiffer kurzerhand ein Boot über den Berg, als es nicht weitergeht. Die Vision ist einfach zu groß, um aufzugeben und zurück zu fahren. Solche Aktionen können schnell auch mal in die Hose gehen, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Durch den Film zieht sich der Opernklang eines Plattenspielers und wabert über die Gewässer des Amazonas. Diese Art von Poesie ist es, die uns antreiben kann, die Energiequelle und Belohnung gleichzeitig ist. Egal, wo wir es spüren, ob beim Gespräch mit einem wichtigen Menschen, wenn wir an der Straßenecke ein paar winterliche Sonnenstrahlen erhaschen, oder bei dem, was wir einfach aus Leidenschaft tun. Weil wir nicht anders können. Weil wir nicht anders wollen.

Wer einen solchen Eigensinn und Freiheitsdrang in sich trägt, hat es nicht immer leicht. Wo vielfältige Fähigkeiten von Multitasking über kreatives Chaos bis selbstdiszipliniertes Organisationstalent gefragt sind, zählt am Ende des Tages dieser eine Moment, an dem wir feststellen, dass wir etwas Tolles geschafft haben. Etwas, das uns beim letzten prüfenden Blick vor der Abgabe ein Lächeln auf die Lippen zaubert. Etwas, worin Erfahrungen stecken, die wir sicher so nicht gemacht hätten, wenn wir jeden Tag dieselbe Routineroute fahren würden. Die Entscheidung für freie kreative Arbeit ist eine Entscheidung dafür, Augen, Ohren und Herz offen zu halten für alles, was kommt. Wir sind Captain, Abenteurer, Schatzmeister und Künstler. Unser Schiff nimmt Fahrt auf in unbekannte Gewässer, deren Karte wir selbst zeichnen. Das Leben so selbst zu gestalten, ist ein Erlebnis, das Schmetterlinge im Bauch macht.

Mit jeder gelungenen Zusammenarbeit stellt sich kurz dieselbe wohlige Ruhe ein wie nach einer langen Joggingrunde oder einem Tag voller Ereignisse. Die Möglichkeit zu haben, immer wieder neue, spannende Projekte zu erleben, immer neue Menschen zu treffen und Ideen zu entwickeln, motiviert ungemein.

Freelancer mögen zwar auf den ersten Blick aussehen wie Einzelkämpfer, aber tatsächlich sind wir nie allein. Kollaboration ist das Zauberwort, das uns mit Aufträgen, Ideen und den wichtigen Gefühlen, die eine Arbeit besonders machen, versorgt. Wir sind viele! Und weil es zusammen im Kreise von THE BAKERY Support, Kontakte, schlaues Insiderwissen bei schwierigem Bürokratiekram und auch Zeit für einen guten Kaffee zwischendurch gibt, reiten wir nicht allein auf unseren Streitrössern ins Gefecht. Sondern wir helfen uns gegenseitig – und nehmen uns die Freiheit, die Welt zusammen ein bisschen zu verschönern.

Text: Isabel Bredenbröker